Was ist Handelswirtschaft?

Wir haben es alle mitbekommen: Die Zeiten haben sich gewandelt. Auch für die Handelswirtschaft. Warum ist das so? Wie konnte es passieren, dass ein so kleines Virus die ganze Welt auf den Kopf gestellt hat? Was hat sich für den Handel, regional, national und natürlich auch international alles geändert? Viele Fragen werden von Interessierten gestellt, aber nicht alle können beantwortet werden. Vielleicht kann ja mit diesem Artikel ein wenig Licht ins Dunkel gebracht werden.

Der regionale Handel


Der regionale Handel ist in der heutigen Zeit nicht mehr so regional, wie man es sich wünschen würde. Von einigen Hofläden und Direktvermarktern abgesehen, läuft eigentlich der meiste Handel, insbesondere der der großen Handelsketten, über zentrale und dezentrale Warenlager. Hier werden die Bestellungen abgewickelt. Hier werden die LKW-Lieferungen für den nächsten Tag zusammengestellt und auf den Weg gebracht. Sicherlich ist die Nachfrage ungebrochen gewesen. Im Gegenteil konnte phasenweise ein starker Anstieg verschiedener Artikel verzeichnet werden. Das große ABER kommt auch nicht aus dem Feld der Logistik. Vielmehr konnte zeitweilig von den Herstellern der betreffenden Artikel einfach nicht mehr geliefert werden. Somit waren viele ortsansässige Händler kurzfristig schlicht nicht in der Lage, verschiedene Produkte anzubieten oder sie lediglich in begrenzten Mengen pro Kunde abzugeben. Ein Schreck nicht nur für den Kunden, sondern auch für den Produzenten sowie die Einzelhändler selber. Ein Szenario, das sich kaum einer noch wirklich vorstellen konnte.

Während die Lebensmittelhändler mit Lieferschwierigkeiten zu kämpfen hatten, sah die Lage bei allen anderen Händlern ganz anders aus: Sie blieben auf ihren Waren sitzen. Niemand konnte mehr in die Läden kommen. Wer sich nicht schnell auf einen Internet-Handel einstellen konnte, musste mit ansehen, wie die Rücklagen schwanden und die Waren immer noch im Regal lagen. Wohl dem, der hier flexibel reagieren konnte. Und doch haben deutschlandweit viele Einzelhändler für Non-Food diese Krise nicht überstanden. Sie sind Vergangenheit.

Glücklicherweise hat sich die Situation ein wenig gelockert. Und dennoch ist bei vielen Einzelhändlern immer noch nicht sonderlich viel Kundschaft im Laden. Ganz einfach, weil immer noch eine große Unsicherheit besteht. Man möchte nach wie vor kein unnötigen Risiko eingehen. Die Folgen des Lockdown haben sich also nicht aufheben können. Im Gegenteil, sie ziehen sich weiter in die Länge. Der Gnadenstoß für viele, die sich bisher noch halten konnten. Wie lange sie noch durchhalten werden, weiß niemand. Was aber mittlerweile jeder hat sehen können, ist, dass es nicht nur die kleinen Unternehmen hart getroffen hat. Auch große, alt bewährte und bekannte Handelsketten sind am Ende.

Der nationale Handel


Auch der nationale Handel hat einiges einstecken müssen. Doch ist die Nachfrage nur bedingt gesunken. Der Grund hierfür ist der Internethandel. Viele Dinge, die nicht mehr im niedergelassenen Ladengeschäft gekauft wurden, sind ganz einfach über den Online-Handel bestellt worden. Die Lieferdienste und Speditionen sind ja nach wie vor auf den Beinen gewesen und haben so gut wie möglich die Flut der Pakete ausgeliefert. In den meisten Regionen hat dieser Service sehr gut funktioniert, dass eine Anzahl Einkäufe über das Internet getätigt, die niemand je erhofft hat. Kein Wunder, haben doch viele Konsumenten in Kurzarbeit oder im Homeoffice ganz einfach mehr Zeit zum Online-Shopping investieren können. Viele haben die freie Zeit genutzt und Haus und Garten auf Vordermann zu bringen. Auf diese Weise wurden Waren knapp, bei denen die Nachfrage zu dieser Jahreszeit noch nie so groß gewesen ist. So hat man selbst im Baumarkt mit einem Male vor leeren Regalen gestanden. Die Ironie der Situation kennt keine Grenzen.

Aufgrund der Problematik in der Produktion jedoch konnte auch hier nicht im gewünschten Maße Abhilfe geschaffen werden. Denn viele Produktionsstätten haben, aufgrund der Eingruppierung in „nicht systemrelevant“, ihre Produktion stilllegen oder zumindest herunterfahren müssen. Ein Teufelskreis, der sich nur langsam wieder auflösen wird. Denn eines darf nicht vergessen werden: Auch wenn die Lieferungen wieder uneingeschränkt aufgenommen werden dürfen, muss die Produktion erst einmal wieder in vollem Umfang anlaufen und sämtliche Lager, beim Kunden wie auch im Produktionsbetrieb selber, aufgefüllt werden. Nicht bei jedem Artikel wird dies schnell möglich sein.

Interessant ist natürlich die Situation im Bereich der Lebensmittelproduktion. Gerade aus den Ländern, aus denen wir viele Rohstoffe, viele Produkte geliefert gekommen wie etwa Italien und Spanien, sind so stark betroffen, dass ein Teil der Ernte nicht eingebracht werden konnte. Somit fehlt natürlich einiges an Frisch-, aber auch Tiefkühlwaren, die aus dieser Region gekommen wären. Welche Auswirkungen dies für uns alle hat, können wir bereits jetzt erahnen. Denn bereits jetzt haben die Discounter wie auch die Einzelhändler die Preis teilweise empfindlich angezogen. Wer weiß, wie sich die Situation zum Winter hin entwickeln wird, wo doch in einigen Regionen eine zweite, wenn auch kleinere Welle ins Rollen gekommen ist.

Selbiges Szenario gilt natürlich auch für den internationalen Handeln. Ist er kurzfristig in einigen Bereichen zum Erliegen gekommen, kann man eigentlich nur hoffen, dass weltweit ein Umdenken stattfindet bzw. stattfinden wird. Wollen wir einmal ehrlich sein, müssten wir doch einsehen, dass es essentiell ist, dass sich ein Land selber versorgen kann. Werden aber gerade die Lebensmittel aus allen Teilen der Welt importiert, kann dies in derartigen Situationen eine Katastrophe nach sich ziehen. Warum also ist es uns nicht möglich, unsere Bevölkerung mit den üblichen Nahrungsmitteln eigenständig zu versorgen? Weil wir unbedingt die Kartoffeln benötigen, die in Ägypten angebaut werden? Oder weil die grünen Bohnen aus Kenia besser schmecken, als wenn man sie in Mitteldeutschland anbaute? Und warum muss ein Teil des Getreides, das in Deutschland angebaut wird in die Produktion von Biogas und andere Treibstoffe gehen, wo die Energieunternehmen dies gar nicht so gerne sehen.

Es gibt viele Fragen, die nicht beantwortet werden. Vielleicht, weil es nicht erwünscht ist. Vielleicht, weil man Prozesse, die international in Gang geraten sind, nicht unterbrechen möchte. Sinnvoll erscheint vieles jedoch nicht. Schon gar nicht unter dem Aspekt, dass viele Menschen aus den Ländern, in denen unsere Nahrungsmittel angebaut und zu uns geliefert werden, flüchten, weil ihnen die Lebensgrundlage entzogen wurde.

Wir denken, dass das Virus unser Problem im Bereich des Handels wäre. Aber eigentlich haben wir kein Problem in diesem Bereich. Wir haben ein globales Problem mit den Entscheidungen der großen Unternehmen, der Handelsbereich, die eine einflussreiche Lobby hinter sich wissen. Denn leider wird die Politik nicht für die Bevölkerung gemacht, sondern für und von den Lobbyisten.

Das Virus ist aufgrund der Forschung vermutlich in absehbarer Zeit unter Kontrolle gebracht. Aber haben wir aus der weltweiten Ausbreitung und seiner Auswirkung auf den Handel im Allgemeinen etwas gelernt? Wir werden sehen. Nun heißt es, Daumen drücken und hoffen.